10.04.1996, Mittwoch
Zenica
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Mensur hat heute eine Treffen in Zenica. Ich biete ihm an, ihn hinzubringen. Mensur engagiert Johnny als Bodyguard für mich für die Rückfahrt und Mensur meint das durchaus ernst. Aber bevor wir loslegen, muss ich auf die Bank, um Geld zu holen. Also in die Bank von Sarajevo. Dort gibt man mir freundlich zu verstehen, nach nebenan zur Wechselstube zu gehen. In der Wechselstube bewahrheitet sich wieder einmal Murphy's Law: In der Wechselstube werden nur Währungen getauscht oder American Express Kreditkarten angenommen, und gerade diese Plastikkarte habe ich gegen Euro/Mastercard eingetauscht. Jedesmal, wenn ich dringend mit Plastik zahlen musste, akzeptierte niemand die Amex. Soweit Murphy's Law. Aber woher jetzt Geld bekommen? Ich erfahre, dass in der Nähe die Bank of Croatia eine Niederlassung hat. Nach kurzer Suche ist der versteckte Zugang in einem Treppenhaus gefunden. Im ersten Stock finde ich dann den passenden Eingang. Tatsächlich bekomme ich dort mein Geld mit der Eurocard. Allerdings mit viel bürokratischem Aufwand: zweimaliges Vorlegen meines Personalausweises, dreimalige Unterschriftsleistung, eine Viertelstunde Wartezeit und bezahlen von DM 9,- Bearbeitungsgebühr. Endlich habe ich DM 291,-- in der Hand. Natürlich in grossen Scheinen. Das mit dem Geld ist ein echtes Problem. Die Landeswährung ist der Bosnische Dinar, 100 BDH => 1 DM, die die eigentliche Landeswährung ist. Damit fängt das Problem an. Es gibt hier keinen Schein grösser DM 100,-- und selbst damit ist es schwer, zu bezahlen, da es am Wechselgeld hapert. Manche Geldscheine sind schon durch so viele Hände gegangen, dass sie ihre eigene Form verloren haben, mehrfach eingerissen und teilweise so abgegriffen sind, dass ich manchmal auf den ersten Blick nicht den Wert der Banknote erkennen kann. Ein noch grösseres Problem ist das Wechselgeld. Münzen sind hier Mangelware, so dass die kleinste Münze mit der hier gehandelt wird, das 50 Pfennigstück ist. Mit dem Dinar wird kaum bezahlt.

Nachdem ich das Geld erhalten habe, machen wir uns auf den Weg nach Zenica. Die ersten Kilometer aus Sarajevo heraus sind die schlimmsten. Die Schäden auf den Hauptstrassen werden zwar repariert, aber auf der Strasse, die wir benutzen, sind die Arbeiten eingestellt. Es hört sich gar nicht gut an, was mein Auto hier erleiden muss. Wir lassen die Dauerkampfzone hinter uns und das Bild verändert sich völlig. Die Landstrasse E 73 ist vollständig erhalten geblieben. Neben der Strasse sind keine offenen Folgen des Krieges zu sehen. Da es hier ausser den IFOR-Transporten und den Hilfsorganisationen so gut wie keinen Verkehr gibt, kommen wir rasch vorwärts. Vorbei an Russen, die mit Schützenpanzern auf einer Brücke Wache stehen, vorbei an Italienern, die sich an einem Autobahnparkplatz mit ihren Verpflegungslastern eingerichtet haben. Am Fluss Bosna ist erst einmal Schluss mit dem bequemen Vorwärtskommen, denn hier ist wieder einmal eine Brücke gesperrt. Wir müssen über eine Behelfsausfahrt. Hier setzt mein schwerer Wagen wieder einmal auf und die Strasse hat so grosse mit Wasser gefüllte Schlaglöcher, dass mein Wagen bis an die Scheinwerfern darin versinkt. Für die Einheimischen ist dies nichts Neues und ohne Warten oder Stocken geht es vorwärts. Bevor wir Mensur in Zenia absetzen, ist  wieder Kaffezeit....

Wohnsilo Wäschetrocknen Kids  Vekehrsstrasse

Zurück am Auto beginnt wieder das leidige Lied des versuchten Diebstahls. Die zugeklebte Scheibe ist aufgerissen und der Knopf an der Beifahrertür oben. Einen Tag später merke ich, dass es diesmal nicht mit dem Stehlen von Wertsachen getan war, der Tacho ist herausgezogen, der Gummi vom Blinkerhebel entfernt, die Verkleidung unterhalb des Schlosses gelöst und nur schlecht zusammengesteckt. Diesmal wollten sie das ganze Auto, was mich zu der Einsicht bringt, mir ein Car-Lock zuzulegen.

Mit Jonny mache ich mich auf den Rückweg. Die Hauptstrasse ist leicht gefunden und wir gleiten dahin. Sich mit Jonny zu unterhalten ist nicht so einfach wie ich dachte. Er kann leider nur ein paar Brocken Englisch. Aber immerhin einigen wir uns darauf im Auto "Sister of Mercy" aus den Lautsprechern dröhnen zu lassen.